Posted on 1 Oktober.2018

Fonds standen schon seit Jahren hoch in der Gunst der Anleger. Doch das scheint sich im Verlauf des letzten Jahres geändert zu haben. Gerade Publikumsfonds verzeichnen weitweit einen Rückgang in den Zuflüssen an Kapital. Noch stieg das verwaltete Vermögen ( die sogenannten Assets under management / AUM ) im 2. Quartal dieses Jahres um 4,4 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 45 Billionen Euro. Doch blicken wir auf Europa, dann müssen wir einen Rückgang der Kapitalzuflüsse um 80 Prozent feststellen.

Publikumsfonds leiden seit mehreren Quartalen unter dem Desinteresse der Anleger

Der EFAMA, der Dachverband der europäischen Investmentfonds-Verbände veröffentlichte kürzlich seinen Marktbericht. Darin wird die rückläufige Tendenz deutlich. In der untenstehenden Infografik offenbart sich der Umfang des sich abzeichnenden Trends. Anleger in aller Welt präferieren andere Anlageformen und wenden sich nun schon bereits seit drei Quartalen von den Publikumsfonds ab.

Infografik: Nettoabsatz-Publikumsfonds weiltweit für den Zeitraum 1. Quartal 2017 bis zum 2. Quartal 2018.

Infografik: Nettoabsatz-Publikumsfonds weiltweit für den Zeitraum 1. Quartal 2017 bis zum 2. Quartal 2018.

Der Dachverband der europäischen Investmentfonds-Verbände EFAMA informiert

Der EFAMA, der Dachverband der europäischen Investmentfonds-Verbände veröffentlichte jüngst in seinem Marktbericht zum 2. Quartal 2018 die Zahlen zum Nettoabsatz der Publikumsfonds. Der Nettoabsatz gibt die Menge an Kapital an, welche den Fondsgesellschaften im Rahmen von neuerlich getätigten Anlagen zufließt. Der Marktbericht nennt den Betrag von 190 Milliarden Euro, für die Monate April bis Juni 2018. Wer die Zahl mit dem Nettoabsatz des ersten Quartals vergleicht, wird feststellen, dass im Zeitraum von Januar bis März den Fondsgesellschaften der Publikumsfonds noch 502 Milliarden Euro zugeflossen sind. Dies bedeutet weltweit einen Rückgang der Neuanlagen von über 60 Prozent.

In dem Bericht des Dachverbands der europäischen Investmentfonds-Verbände EFAMA werden Dachfonds, ETFs und Spezialfonds mit einbezogen.

Anleger in Europa: Über 80% weniger Neuanlagen in Publikumsfonds

Besonders hart trifft es die Publikumsfonds bei den Anlegern in Europa. Im ersten Quartal 2018 legten die Europäer noch 223 Milliarden Euro in Publikumsfonds an. Schon ein Quartal später waren es nur noch 29 MIlliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang des Nettoabsatzes der Publikumsfonds von über 80 Prozent.

Im Marktbericht des EFAMA wird leider nicht ausgeführt, wohin die Gelder stattdessen geflossen sind. Das Interesse der Anlager muss ja auch ein neues Ziel gefunden haben.

Zunahme des Interesses an Publikumsfonds in den USA

In den USA wiederum ist die Entwicklung gegenläufig. Im ersten Quartal 2018 legten die Amerikaner 81 Milliarden Euro in Publikumsfonds an. Bereits im zweiten Quartal stieg der Nettoabsatz auf 113 Milliarden Euro an. Dies spiegelt eine Zunahme um 40 Prozent wieder. Allerdings kann der Anstieg in USA die rückläufige Tendenz weltweit nicht annähernd ausgleichen.

Wie geht es mit den Publikumsfonds weiter?

Wie Anleger sich im dritten Quartal 2018 entscheiden werden, bleibt spannend. Ob der Trend sich fortsetzt und womöglich sogar mehr Geld aus den Publikumsfonds abgezogen als neuangelegt wird, muss der nächste Marktbericht des EFAMA zeigen. Immerhin ist der Kapitalmarkt plötzliche Veränderungen gewöhnt und die Vorlieben der Anleger sind nicht immer rational zu erklären.

In Kanada und Japan beispielsweise schwanken die Umsätze aus Neuanlagen in Publikumsfonds von Quartal zu Quartal stark in beiden Richtungen. Auch das ist der Infografik in diesem Artikel zu entnehmen. Ob sich dieses Verhalten auch in Europa wiederfinden wird, kann man nicht sagen.

Zudem erleben oft bereits totgeglaubte Anlageformen eine spontane Renaissance, wie beispielsweise jüngst die festverzinslichen Wertpapiere. Es bleibt zu hoffen, dass dies den Publikumsfonds ähnlich ergehen wird.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Manuchi, Infografik schwarzer.de

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.