Posted on 28 August.2017

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Die Finanzexperten der europäischen Staaten sprechen davon, dass ein Zinsanstieg nötig ist. Diese Veränderung soll sich auf die aktuelle Inflationsrate auswirken. Den Verbrauchern und Anlegern stehen dennoch vielversprechende Geldanlagen zur Verfügung, auch wenn die Zinssenkungsphase schon seit den frühen 1980er Jahren mit zwischenzeitlichen Unterbrechungen währt.

Zu Beginn dieser Phase lagen die Bundesanleihen bei über 10 %, doch mittlerweile ist der Nullzins erreicht. Gleichzeitig sind viele Staaten so hoch verschuldet, dass eine Veränderung nicht absehbar ist.

Die Abhängigkeit der Inflationsrate

Unter dem Inflationswert versteht man die Steigerungsrate der Waren- und Service-Preise in einem bestimmten Land oder in einem Staatenverbund. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die aktuelle Inflationsrate in enger Abhängigkeit zu den Zinssätzen steht. Bei uns in Deutschland ist die Europäische Zentralbank zuständig für die Festlegung der Zinssätze: Dabei handelt es sich um die Zinsen, die an die Geldgeber gezahlt werden müssen. Wenn nun diese Zinsen sinken, haben mehr Menschen die Chance auf einen Kredit. In der Folge erhöhen sich die Ausgaben der Verbraucher, wodurch die Wirtschaft angekurbelt wird und die aktuelle Inflationsrate steigt.

Im Gegensatz dazu sinkt die Wirtschaftskraft, wenn die Zinssätze angehoben werden, denn das Geld ist quasi weniger wert. Das wirkt sich auch auf den Inflationswert aus, der sich dadurch verringert.

 Bei uns in Deutschland ist die Europäische Zentralbank zuständig für die Festlegung der Zinssätze: Dabei handelt es sich um die Zinsen, die an die Geldgeber gezahlt werden müssen.(#01)

Bei uns in Deutschland ist die Europäische Zentralbank zuständig für die Festlegung der Zinssätze: Dabei handelt es sich um die Zinsen, die an die Geldgeber gezahlt werden müssen.(#01)

Wer ist verantwortlich für die Festlegung der Zinsen?

In Europa sind es die Finanz- und Wirtschaftsexperten der Zentralbank, die bei ihren Treffen die Rahmenbedingungen besprechen. Sie legen den Grundstein für die Geldpolitik in den zukünftigen Monaten. Bei dieser Geldpolitik geht es um die Geldkraft sowie um die Verfügbarkeit des Euros. Mit der Festlegung der Zinssätze soll die Wirtschaft im Gleichgewicht gehalten werden.

Tatsächlich haben die Erhöhungen und Senkungen der Zinsen Einfluss auf mehrere Faktoren:

  • Preise werden stabiler,
  • das Wirtschaftswachstum pendelt sich ein,
  • die Arbeitslosigkeit sinkt.

Vor allem für die Investoren ist es wichtig, die anstehenden Entscheidungen stets zu verfolgen und im besten Fall sogar vorauszusehen. Auf einigen Märkten sind die Reaktionen auf die Veränderungen der Zinssätze besonders deutlich zu erkennen. Es kommt zu starken Kursveränderungen, nicht nur beim Euro, sondern auch bei anderen Werten.

Die aktuelle Finanzlage

Die US-amerikanische Notenbank hat im Jahr 2015 eine Leitzinserhöhung von 1,25 % durchgesetzt. Eventuell könnte eine europäische Zinswende ebenfalls sinnvoll sein, das ist zumindest die Meinung einiger Experten. Im Vergleich zu vielen europäischen Ländern ist die Wirtschaftsleistung auf der anderen Seite des Atlantiks jedoch weniger stark angestiegen.

Schon häufig brauchten die europäischen Zinsveränderungen gegenüber den amerikanischen etwas länger für ihre Veränderung. Sie entwickelten sich sozusagen zeitversetzt. Momentan rechnet man mit einer langsamen Zinswende, von der man allerdings bisher kaum etwas merkt. Das macht es für die Sparer und Anleger schwierig, der Geldentwertung etwas entgegenzusetzen.

Die aktuelle Lage sieht folgendermaßen aus:

  • Geld unter dem Kopfkissen, auf dem Konto oder Sparbuch bringt keine Zinsen ein,
  • selbst Tagesgeld ist kein ausreichender Inflationsschutz,
  • Sachwerte wie Immobilien sind die bessere Option für die finanzielle Absicherung.

Trotzdem entscheiden sich erstaunlich viele deutsche Bundesbürger dafür, mehr Bargeld in ihrer privaten Wohnung aufzubewahren. Die Statistiken zeigen, dass im Durchschnitt rund 2.000,- Euro pro Bundesbürger ohne Zinsen herumliegen. Wenn die Preise stetig ansteigen, bedeutet das einen Verlust gegenüber der Kaufkraft. Inzwischen tritt auch das Problem der negativen Verzinsung auf: Offensichtlich sollen die Verbraucher damit aufgefordert werden, ihr Geld auszugeben und so die Wirtschaft zu stärken.

Geld unter dem Kopfkissen, auf dem Konto oder Sparbuch bringt keine Zinsen ein. Trotzdem entscheiden sich erstaunlich viele deutsche Bundesbürger dafür, mehr Bargeld in ihrer privaten Wohnung aufzubewahren.(#02)

Geld unter dem Kopfkissen, auf dem Konto oder Sparbuch bringt keine Zinsen ein. Trotzdem entscheiden sich erstaunlich viele deutsche Bundesbürger dafür, mehr Bargeld in ihrer privaten Wohnung aufzubewahren.(#02)

Wie sich die aktuelle Inflationsrate berechnen lässt

Durch die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank ist die aktuelle Inflationsrate auch für die Normalverbraucher nicht zu übersehen. Diejenigen, die sich mit der Thematik befassen, fragen sich, ob steigende Zinsen die richtige Lösung wären. Der EZB-Chef Draghi hat jedoch weniger die Wirtschaftspolitik an sich als Ziel, sondern er und die Mitverantwortlichen sind an einem stabilen Preisniveau interessiert.

Die Zahlen zur Inflation deuten darauf hin, dass es mit der europäischen Wirtschaft nicht so schlecht aussieht, wie viele Anleger befürchten.
Bei dem harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) handelt es sich um eine Kennzahl, die die Entwicklung der Preise misst. Die Regeln für seine Berechnung gelten EU-weit und beziehen sich auf einen einheitlichen Warenkorb.

Die Veröffentlichung vom Verbraucherpreisindex

Es gibt den Verbraucherpreisindex für einzelne Länder sowie den harmonisierten Index für Europa. Die Veröffentlichung von VPI und HVPI findet grundsätzlich im Folgemonat statt, doch eine Schätzung gibt es oft schon kurz vor Monatsende. Beide Werte,  der geschätzte sowie der endgültig berechnete, erfährt man aus den entsprechenden Pressemitteilungen.

Um sich über die Entwicklung zu informieren, hilft ein Blick auf die Jahresdurchschnitte. Diese liegen Mitte Januar im Folgejahr vor. In bestimmten Fällen kann es zu Ausnahmen kommen, beispielsweise wenn es sich um eine Erstveröffentlichung bei einem neuen Basisjahr handelt. Bei der neuen Basisberechnung 2010=100 wurden die Resultate beispielsweise erst Mitte Februar 2013 veröffentlicht, zusammen mit dem Januar-Verbraucherpreisindex.

So wird die Kaufkraft ermittelt: Ein Beispiel

Der VPI dient zur Berechnung der Kaufkraft: Er soll feststellen, wie sich der Wert des Geldes verändert.

Dies geschieht mithilfe der Formel:

  • Kaufkraft-Veränderung = alter Index / neuer Index * 100 – 100
    Als Beispiel wird hier der Zeitraum von Juni 2016 bis Juni 2017 angeführt.
    Im Juni 2016 lag der VPI auf der Grundlage des Index 2010=100 bei 107,3. Im Juni 2017 wurde ein VPI von 109 errechnet. Die Änderung errechnet sich folgendermaßen:
  • Kaufkraft-Veränderung = 107,3 / 109 * 100 – 100

Im Verhältnis zu Juni 2016 wurde für Juni 2017 also ein Anstieg von 1,6 % errechnet.

 

Der VPI dient zur Berechnung der Kaufkraft: Er soll feststellen, wie sich der Wert des Geldes verändert.(#03)

Der VPI dient zur Berechnung der Kaufkraft: Er soll feststellen, wie sich der Wert des Geldes verändert.(#03)

Tipps für die Zeitüberbrückung

So lange die Zinsen gar nicht oder nur geringfügig steigen, sollte man zumindest einen gewissen Geldbetrag sicher und mit kleinen Zinsen anlegen. Hierfür eignet sich ein Tagesgeldkonto, auf dem standardmäßig zwei Monatsgehälter liegen. Bei teuren Reparaturen oder in anderen Notfällen hat man dieses Geld schnell griffbereit. Das weitere Vermögen kann man längerfristig investieren, beispielsweise in Immobilienfonds oder in Gold.

Wer gerne etwas risikoreich investiert, für den lohnt sich ein Anlagedepot: Mit Aktiengeschäften lässt sich das Geld vermehren, allerdings besteht hier auch die Gefahr, dass der Wert des Depots sinkt. Für die Altersvorsorge eignen sich spezielle Verträge wie Riester oder Rürup. Auch eine andere Form der Rentenversicherung ist möglich. Die Geldanlage richtet sich nach der persönlichen Risikobereitschaft und den individuellen Zielvorstellungen.

Das Risiko an der Börse

Wer die aktuelle Inflationsrate zum Anlass nimmt, an der Börse zu spekulieren, sollte sich bewusst machen, wie schwierig die Vorhersage der Kursbewegungen ist. Einige Werte schwanken stärker als andere, zudem können auch die erfahrenen Börsianer nicht alle Faktoren im Blick behalten und überrascht werden. Neben den Aktien gibt es Optionsscheine und den Rohstoffhandel sowie Fonds mit mehr oder weniger spekulativem Charakter.

Wer sein Geld auf verschiedene Wertpapiere aufteilt, der streut das Risiko und sichert sich auf diese Weise ab. Ein solcher Ausgleich funktioniert jedoch nur dann, wenn man auf verschiedene Branchen und oft auch auf diverse Anlageformen setzt. Bei einem Aktienfondssparplan werden beispielsweise die Profitchancen durch stabile Elemente gesichert.

Auf eine intensive Beratung sollte man vor dem Gang an die Börse nicht verzichten. Hierbei geht es nicht darum, welche Aktie vermutlich steigen wird. Stattdessen erfährt man mehr über die einzelnen Wertpapieranlagen, über Dividenden, den richtigen Einstiegszeitpunkt und die Wahrscheinlichkeit von Gewinn und Verlust.

Video: EZB einfach erklärt | Geldpolitischen Instrumente gegen die Inflation und Deflation

Ab wann lohnt sich das Spekulationsgeschäft?

Wer aufgrund der aktuellen Inflationsrate auf Investments an der Börse setzt, der sollte sich über die Randbedingungen informieren und sein Vermögen nicht zu riskant anlegen. Ein Fondssparplan ist grundsätzlich solider als eine Direktanlage und lässt sich auch mit nur 25 oder 50 Euro monatlich aufbauen. Es müssen also keine großen Summen sein, die man vor der Inflation „rettet“ und gewinnbringend anlegt. Bei einem solchen Fondssparplan sind die Gebühren meistens höher als beim direkten Aktienhandel.

Wenn man selbst mit Aktien handelt, ist ein intensives Einarbeiten in das Thema nötig. Viele Privatleute haben Spaß daran, sich mit den Abläufen auseinanderzusetzen und ihr Fachwissen zu erweitern. Allerdings braucht man auch mehr Geld, wenn man in verschiedene Werte investieren möchte und auf diese Weise sein Depot möglichst breit anlegt.

Als Zwischenlösung kommt auch ein ETF infrage: Hierbei handelt es sich um einen Investmentfonds, der auf einem Aktienindex basiert. Bei einer solchen Anlage nimmt man alle Kursschwankungen mit. Eventuell hilft ein Fondsmanager, gegen ein zu hohes Risiko zu steuern und riskante Papiere auszusortieren.

Als Zwischenlösung kommt auch ein ETF infrage: Hierbei handelt es sich um einen Investmentfonds, der auf einem Aktienindex basiert.(#04

Als Zwischenlösung kommt auch ein ETF infrage: Hierbei handelt es sich um einen Investmentfonds, der auf einem Aktienindex basiert.(#04)

Die zukünftige Rente und die aktuelle Inflationsrate: Ein Widerspruch?

Durch die Veränderungen bei der Betriebsrente, die von der Bundesregierung eingeleitet wurden, stellen sich immer mehr Angestellte die Frage, ob sich ein solcher Sparplan lohnt. Ein Vergleich der einfachen Betriebsrente und der privaten Vorsorge hilft dabei, sich einen individuellen Plan zusammenzustellen.

Neben der staatlichen Grundsicherung erhalten die Rentner nicht nur eine zusätzliche Zahlung durch die Betriebsrente oder ihren privaten Riester-Vertrag. Bald werden sie auch von einem Freibetrag profitieren. Die Erhöhungen bei der Riester-Rente reichen vielen aber noch nicht aus. Daher wünschen sich die Riester-Sparer geringere Gebühren, auch wenn sie bereits Förderungen und Steuervorteile nutzen können.

Wie stabil ist der Euro?

Im Vergleich zu diversen anderen Währungen ist der Euro relativ solide, was sich auch in der relativ starken Inflation zeigt. Trotzdem darf man sich keine Illusionen machen und muss mit Veränderungen auf dem internationalen Währungsmarkt rechnen. Durch die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank fühlen sich nicht nur die Verbraucher verunsichert. Auch die Kreditinstitute müssen zukunftsorientiert denken und nicht nur die aktuelle Inflationsrate im Blick behalten. Schließlich geht es um die Sicherheit des Geldes, die sich auf das Wirtschaftswachstum auswirkt, auf die Stabilität der gesamten Arbeitsmarktsituation und auf das Wohlergehen der Bevölkerung.


Bildnachweis:©Shutterstock – Titelbild:Tashatuvango – #01:S-F – #02:Martin Novak – #03: Lisa S -#04:Tashatuvango

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.