Posted on 18 September.2017

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Schon in den vergangenen Jahren wurde unter den Anhängern der Riester-Rente eifrig diskutiert, ob sich die weitere Einzahlung lohnt. Für das Jahr 2018 sind auch die Zeichen und Signale des Finanzmarkts dafür verantwortlich, in welche Richtung die Entscheidung kippt. Wie ist es also möglich, das Maximum aus der Anlage herauszuholen, die doch in den Augen vieler schon als gescheitert gilt?

Riester-Rente in schwierigen Zeiten

Wer sich bereits für die Riester-Rente entschieden hat, sollte sich auch im Jahr 2018 noch einmal einen umfassenden Überblick über die gesamten Beträge verschaffen, die er oder sie bisher in die Versicherung einbezahlt hat. Durch die verschiedenen Zulagen und Zuschüsse, mit denen der Staat die eigenen Sparraten unterstützt, sind die genauen Beträge und damit der aktuelle Stand der Riester Rente in vielen Fällen unübersichtlich.

Bevor man nun aber sofort überhastet seine Riester Rente kündigt, ist es immer eine gute Idee, vorab einen Blick auf den aktuellen Stand zu werfen. Beachten sollte man in jedem Fall bei einer Kündigung, dass sich auch die staatlichen Zuschüsse im Falle einer vorzeitigen Kündigung reduzieren. Häufig erscheint gerade den Sparern, die schon seit mehr als zehn Jahren ihre Beiträge zur Riester-Rente zahlen, folgende Möglichkeit als gute Alternative: Nämlich die monatlichen Beiträge zu verringern, um die finanzielle Belastung durch die Riester Rente einzuschränken, ohne jedoch den Vertrag gleich komplett zu kündigen.

Die komplette Kündigung hätte nämlich unter Umständen erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge. Ein Teil der einbezahlten Beiträge wird nämlich in jedem Fall dazu benutzt, die Kosten der Versicherung abzudecken. So muss man in den meisten Fällen einen nicht unerheblichen Teil für den Vertrieb des Versicherungsanbieters sowie der dafür zuständigen Mitarbeiter aufbringen. Kurzum, bei einer Kündigung der Riester Rente kann nie der komplette Betrag ausgezahlt werden.

Video: Wichtige RIESTER RENTEN ÄNDERUNGEN 2018 | Es geht bergauf!

Nicht nur die Versicherer haben schuld

Gerade aufgrund der niedrigen Zinsen, die man aktuell am Markt erzielen kann, fragen sich viele Verbraucher, warum sie überhaupt noch ihre Riester Rente behalten sollen. Denn oft werden die erwirtschafteten Gewinne von den laufenden Kosten der Versicherer aufgebraucht – am Ende hat der Sparer das Nachsehen. Es gibt sogar Verträge, bei denen die Kosten und Gebühren die staatlichen Zuschüsse übersteigen.

Doch nicht nur die Versicherungsbranche kann dafür verantwortlich gemacht werden, auch die Politik muss dafür Verantwortung übernehmen. Um nämlich zu vermeiden, dass die Sparer mehr Geld in die Riester Rente einzahlen, als sie später wieder ausgezahlt bekommen – eben beispielsweise aufgrund der hohen Gebühren oder Boni der Versicherer – hat die Politik vorgesorgt: Für Sparer gibt es eine obligatorische Beitragsgarantie, die dafür sorgen soll, dass jeder Sparer mindestens die von ihm eingezahlten Beiträge am Ende der Vertragslaufzeit auch wieder erhält.

So sehen sich Versicherer gezwungen, wenigstens einen Teil der eingezahlten Beiträge auf sehr konservativem Wege anzulegen, um die Reserven für die obligatorische Beitragsgarantie verfügbar zu haben. Das führt aber dazu, dass weniger Kapital zur Verfügung steht, um in lukrativeren, aber eben auch risikoreicheren Anlagen zu investieren. Dabei zeigen gerade langfristige Analysen der Märkte und Anlagestrategien, dass Aktien das Mittel der Wahl sind, um langfristige Erfolge und starke Renditen zu erzielen.

Durch die aktuelle Gesetzeslage können Anbieter der Riester Rente von dieser Anlagemöglichkeit aber nur eingeschränkt Gebrauch machen. Ein Umdenken der Politik ist hier also gefragt. Natürlich sollen die eingezahlten Beiträge der Sparer gesichert sein, auf der anderen Seite wünschen sich Anleger, die in eine Riester Rente investieren, im Alter aber auch Erträge.

Doch warum tut sich das so hoch gelobte Modell der Finanzierung noch im Jahr 2018 so schwer? Tatsächlich hat dies viel mit den aktuellen Zinsen zu tun, die von der EZB auf ein historisch niedriges Niveau gedrückt wurden. (#01)

Doch warum tut sich das so hoch gelobte Modell der Finanzierung noch im Jahr 2018 so schwer? Tatsächlich hat dies viel mit den aktuellen Zinsen zu tun, die von der EZB auf ein historisch niedriges Niveau gedrückt wurden. (#01)

Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Riester Rente

Doch warum tut sich das so hoch gelobte Modell der Finanzierung noch im Jahr 2018 so schwer? Tatsächlich hat dies viel mit den aktuellen Zinsen zu tun, die von der EZB auf ein historisch niedriges Niveau gedrückt wurden. Während dies günstige Kredite für die Verbraucher zur Folge hat, von denen sich jeder unter guenstigekredite.info selbst ein Bild machen kann, wirkte sich die Situation negativ auf das Modell der Riester-Rente aus. Und auch an anderen Fronten merken Sparer die Einschnitte, die nun aufgrund der Niedrigzins-Politik der EZB. Geld auf dem Sparbuch, oder selbst Geld auf dem Tagesgeldkonto bringt inflationsbereinigt keine Zinsen mehr. Schlimmer noch: Wer das Geld auf dem Sparbuch liegen lässt, macht sogar Schritt für Schritt Verlust damit.

Dieses Problem haben auch viele Anbieter einer Riester Rente, denn schließlich sollten die gesammelten Sparraten der Investoren in verschiedene Anlagen gesteckt werden, wo sie sich in den kommenden Jahren verzinsen könnten. Da aktuell jedoch nur Finanzprodukte mit einem sehr hohen Risiko überhaupt zu einer nennenswerten Rendite fähig sind, war es für die Verantwortlichen sehr schwer, überhaupt einen Vorteil für die Riester-Rentner zu erwirtschaften. In der Praxis sind es so vor allem die staatlichen Zuschüsse, auf die sich die Rente stützt.

Die Tatsache, dass die Riester-Rente in der vergangenen Zeit nur mit riskanten Anlagen dazu in der Lage war, einen Gewinn zu erwirtschaften, zeigt sogleich das Potenzial in der Zukunft. (#02)

Die Tatsache, dass die Riester-Rente in der vergangenen Zeit nur mit riskanten Anlagen dazu in der Lage war, einen Gewinn zu erwirtschaften, zeigt sogleich das Potenzial in der Zukunft. (#02)

Warten auf die Zinswende

Die Tatsache, dass die Riester-Rente in der vergangenen Zeit nur mit riskanten Anlagen dazu in der Lage war, einen Gewinn zu erwirtschaften, zeigt sogleich das Potenzial in der Zukunft. Damit es nicht zur Bildung einer Spekulationsblase an den Börsen kommt, muss die EZB die Zinsen an einem gewissen Punkt wieder erhöhen und die Geldmenge verknappen. Von diesem Moment an werden auch die Zinsen wieder ansteigen, die die Sparer in Deutschland mit ganz normalen Anlagen erzielen. Das Geld, welches bereits jetzt in die Riester-Rente investiert ist, könnte dann wieder effektiv für die Anleger arbeiten.

Auf dieser Grundlage wurde das gesamte Konzept der Rente vor fast 20 Jahren entwickelt, das ab dem Moment einer Zinserhöhung wieder seinen wahren Nutzen erfüllen könnte. Wie groß der effektive Nutzen in diesem Moment allerdings sein wird, das kann niemand vorab wissen. Denn seit des ersten Entwurfes und des Inkrafttretens des Gesetzes zur Riester Rente, hat sich an den Märkten einiges verändert. Renditen von drei oder vier Prozent, wie sie noch vor 20 Jahren möglich waren, lassen sich heutzutage auf einem risikoarmen Weg kaum noch erwirtschaften.

Mehr noch: Den Banken drohen nun sogar Strafzölle, wenn sie Geld verwahren, statt es an Kunden und potenzielle Konsumenten weiter zu geben. Eine Umkehr dieses gefährlichen Trends wird schon seit einiger Zeit erwartet, bis heute ist aber diesbezüglich noch nicht viel geschehen. Auch die letzte Ankündigung von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, gibt keine Anzeichen dafür, dass sich an der aktuellen Zinspolitik etwas ändern wird.

Groß sind aber trotzdem die Erwartungen langjähriger Anleger, die sich von einer Zinswende an wieder einen erheblichen Zuwachs ihrer Raten erhoffen, wenn aktuelle Änderungen greifen.

Video: Altersvorsorge für Arbeitnehmer – Vor- und Nachteile der Riesterrente

Die Crux der Kündigung

Schon häufig wurde in der Öffentlichkeit darüber diskutiert, ob das Modell der Riester-Rente gänzlich gescheitert sei. In der Praxis ist dieser Umstand klar zu verneinen, schließlich ist es in Zeiten höherer Zinsen durchaus möglich, einen entsprechenden Zuwachs des eigenen Kapitals zu verbuchen. Gleichsam sind die einzahlenden Personen in starkem Maße von den Höhen und Tiefen der Finanzwelt abhängig, die sich selbst vor Experten und Analysten immer wieder als undurchsichtig erweisen.

Es ist demnach von besonders großer Bedeutung, keine überstürzte Entscheidung in Bezug auf die Riester-Rente zu treffen, die vor allem unter der Phase der niedrigen Leitzinsen leidet. Ab einem gewissen Punkt muss die Europäische Zentralbank jedoch von ihrer Linie abrücken, was die Zinswende einleiten und eine erhebliche Verbesserung der Rente bedeuten würde. Noch ist jedoch nicht klar, ob dieser Moment, den viele Anleger nun schon seit langer Zeit herbeisehnen, bereits im Jahr 2018 kommt.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  SP-Photo-#01: PhotographyByMK  -#02: Syda Productions

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.