Posted on 27 November.2017

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Die Riester Rente ist ein staatlich gefördertes Vorsorgemodell, auf das bereits mehr als 15 Millionen Deutsche vertrauen. Dabei wird es von vielen kritisch gesehen, da vor allem das komplizierte Zulagensystem für Verwirrung sorgt. Wer sich nicht sicher ist, ob sich Riester lohnt, der sollte vor dem Vertragsabschluss genau hinschauen.

In welcher Höhe stehen Zulagen zu?

Das Grundprinzip der Riester Rente ist denkbar einfach. Man spart aus eigenem Kapital für die Altersvorsorge an, und der Staat fördert die Rentenvorsorge mit Zulagen. Die Zulagen sind dabei nach folgendem Schema aufgebaut:

  • 300 Euro pro Kind, das nach 2008 geboren ist
  • 185 Euro pro Kind, das vor 2008 geboren ist
  • 154 Euro jährliche Grundzulage

Diese Werte gelten allerdings nur dann, wenn der Sparer jede Zulage in vollem Umfang erhält. Um dies zu sichern, muss der Sparer mindestens vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens des Vorjahres als Spareinlage für Riester aufwenden. Ist dies nicht der Fall, wird die Zulage prozentual reduziert.

Für Gutverdiener gibt es jedoch eine Obergrenze. Wer im Jahr 2100 Euro in die Riester Rente einzahlt, der erhält den vollen Fördersatz. Unabhängig davon, ob dieser Betrag die vier Prozent tatsächlich deckt. Wenigverdiener hingegen müssen mindestens einen Jahresbeitrag von 60 Euro leisten, um einen Zuschuss zu sichern.

Hinweis
Für Wenigverdiener ist die Riester Rente häufig keine gute Option. Denn bei wem das Einkommen so gering ist, dass die Riester-Zulagen über dem vier Prozent Satz liegen würden, der spart kaum ausreichend Kapital für die gesetzliche Rentenversorgung an. In diesem Fall kommt zum Renteneintritt die sogenannte Grundsicherung zum Tragen,  eine staatliche Sozialleistung. Für die Berechnung dieser werden private Einkünfte und Ersparnisse voll angerechnet. Die Riester Rente wird als private Einkunft gezählt.

 

Für Wenigverdiener lohnt sich die Riester Rente häufig nicht. (#01)

Für Wenigverdiener lohnt sich die Riester Rente häufig nicht. (#01)

Welche Arten der Riester Rente gibt es?

Abgesehen von der staatlichen Förderung, ist die Riester Rente ein klassisches Versicherungsprodukt für die Altersvorsorge. Entsprechend gibt es mehrere Möglichkeiten, den Riester-Vertrag zu gestalten:

  • Fondsgebundene Riester-Rente
  • Zinsgebundene Riester-Rente
  • Riester-Rente mit Hinterbliebenenschutz

Der aktuelle Niedrigzins stellt Anleger also vor die Frage, welche Option die beste Wahl ist. Die zinsgebundenen Verträge setzen auf eine feste Verzinsung über die gesamte Laufzeit. Der Zinssatz orientiert sich am aktuellen marktüblichen Zinssatz. Da dieser derzeit am Boden ist, sind die Zinsen selbst über eine lange Laufzeit extrem gering. Darüber hinaus bieten diese Verträge wenig Flexibilität für die Kapitalanlage. Das Sparkapital wird lediglich in Optionen investiert, die dem festgeschriebenen Zinssatz an Rendite entsprechen. Entsprechend sinkt das Renditepotential.

Mit einer fondsgebundenen Riester-Rente ist es möglich, die Kapitalinvestitionen dem individuellen Risikoprofil anzupassen. Wenn der Versicherte bereit ist, die Renditechancen der Kapitalmärkte voll auszunutzen, kann dies zu höheren monatlichen Rentenzahlungen führen – gleichzeitig steigt natürlich das Verlustrisiko.

Was sind die Alternativen zur Riester-Rente?

Wer sich gegen die Riester-Rente entscheidet, dem stehen viele Optionen für alternative Altersvorsorgen offen. Dazu zählt die Rürup-Rente. Anders als die Riester-Rente, greift die Rürup-Rente auch für Selbstständige und Freiberufler. Personen, die nicht in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, können diese Leibrente nutzen. Während der Phase der Einzahlung genießen Nutzer der Rürup-Rente Steuervorteile. Da diese auch für hohe Einzahlungsbeträge gelten, sind vor allem Besserverdiener gut mit dieser Option bedient.

Soll eine staatliche Förderung für die Altersvorsorge genutzt werden, muss die Wahl auf Rürup oder Riester fallen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von anderen Optionen, um die private Altersvorsorge zu sichern:

  • Kapitallebensversicherungen
  • Fondsgebundene Rentenprodukte
  • Direktinvestitionen

Welche Optionen hier am besten sind, wird durch die individuelle finanzielle Situation und das Sparziel bestimmt. Auch das Risikoverhalten der Sparer spielt eine Rolle.

Welche Kosten fallen für die Riester Rente an?

Möchte man die Fördergelder im vollen Umfang nutzen können, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Spareinlage in Höhe von vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr
  • Oder eine Grundeinlage von 60 Euro pro Jahr für Personen, die nicht erwerbstätig sind

Die monatlichen Kosten lassen sich darüber hinaus auf eigenen Wunsch aufstocken. Allerdings werden nur bis zu einer jährlichen Einlage von 2100 Euro die Zulagen gezahlt. Wer über diese Obergrenze einzahlt, sichert sich keine zusätzlichen Fördergelder.

Hinweis
Für die Berechnung der tatsächlichen Kosten müssen Gebühren und Provisionen berücksichtigt werden. In welcher Höhe diese anfallen, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich.

 

Lohnt sich Riester? Die monatlichen Kosten lassen sich darüber hinaus auf eigenen Wunsch aufstocken. (#02)

Lohnt sich Riester? Die monatlichen Kosten lassen sich darüber hinaus auf eigenen Wunsch aufstocken. (#02)

Lohnt sich Riester: Was sind die Vorteile?

Das angesammelte Kapital, zusammen mit den gesicherten Zulagen, wird garantiert am Ende der Laufzeit in monatliche Rentenzahlungen umgewandelt. Dies bedeutet, dass es hier in keinem Fall zu Verlusten kommt. Die Garantierente lässt sich somit genau berechnen. Durch erwirtschaftete Renditen können die monatlichen Zahlungen sogar weiter steigen.

Die Riester-Rente wandelt sich am Ende der Laufzeit automatisch in eine lebenslange Rentenzahlung um. Auf Wunsch ist es möglich, eine Garantierente zu vereinbaren. Diese dient für den Hinterbliebenenschutz. Verstirbt der Versicherte vor Ablauf der Garantiezeit, gehen die Zahlungen automatisch an die begünstigten Hinterbliebenen weiter. Dies bis zum Ende der Garantiezeit. Diese Klausel kann die Zulagen negativ beeinflussen – dies muss individuell geprüft werden.

Es ist möglich, die Riester-Rente in Form von einer Teilzahlung bei Renteneintritt zu erhalten. Für Verträge, die vor 2005 unterzeichnet wurden, kann man 20 Prozent des Gesamtkapitals als Einmalzahlung einfordern. Bei Verträgen, die danach abgeschlossen wurden, lassen sich sogar 30 Prozent entnehmen. Die verbleibenden Rentenzahlungen werden anschließend angepasst.

Lohnt sich Riester: Welche Nachteile gibt es?

Die Riester-Rente ist bindend. Abhängig vom Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung, ist das früheste Auszahlungsdatum zum 60. bzw. zum 62. Lebensjahr. Der zweite Fall gilt für Verträge, die nach 2012 abgeschlossen wurden. Es ist nicht möglich, das Kapital davor anzugreifen, ohne dass sämtliche Zulagen wie Renditen verloren gehen. Hinzu kommen hohe Gebühren.

Die Rentenzahlungen sind steuerpflichtig. Auch mögliche Einmalzahlungen müssen voll versteuert werden. Die Steuerlast wird über die individuelle Steuerklasse definiert.

Obwohl es sich um ein staatlich gefördertes Finanzprodukt handelt, wird der Vertragsabschluss durch unabhängige Versicherungsunternehmen gehandhabt. Dies resultiert nicht selten in sehr hohen Abschlusskosten, die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen:

  • Abschlussgebühren
  • Verwaltungskosten
  • Provisionskosten

Diese Kosten werden in der Regel zu gleichen Teilen über die ersten fünf Vertragsjahre verteilt. Es kann auch sein, dass zum Zeitpunkt der Auszahlung eine weitere Gebührenzahlung fällig wird. Diese Kosten müssen unbedingt bei Berechnung der Rentenzahlungen berücksichtigt werden.

Wer sich dazu entscheidet, seinen Hauptwohnsitz in ein Land außerhalb der EU zu legen, der verliert sämtliche Ansprüche auf die Riester-Zuschüsse. Bereits erteilte Zuschusszahlungen werden rückwirkend eingefordert.

Video: Renditen bei Riester – Lohnt sich Riester

Hinweis

Wer seine jährlichen Zahlungen nicht selber im Auge behält, der muss mit einer Rückforderung der Zulagen rechnen. Daher ist es wichtig, in jedem Jahr genau darauf zu achten, ob die erforderlichen Bedingungen erfüllt sind.

Die Riester-Rente ist für Personen der mittleren Einkommensklasse eine gute Option für die Rentenvorsorge. Allerdings entfaltet die Rente erst nach einer sehr lagen Laufzeit ihr ganzes Potenzial. Ist man nicht in der Lage, die Rente frühzeitig abzuschließen, ist ein später Einstieg nicht lohnenswert.

Hinzu kommt, dass auch das eigene Lebensalter eine Rolle spielt. Denn die monatlichen Zahlungen werden auf das zu erwartende Lebensalter zugeschnitten. Dafür nutzen die Versicherungen eine Reihe von Methoden. Wird das zu erwartende Alter des Versicherten also auf 90 Jahre eingeschätzt, er verstirbt aber bereits mit 80 Jahren, verbleibt das Kapital für weitere zehn Lebensjahre bei der Versicherung. Wird der Versicherte älter als die geschätzten 90 Jahre, profitiert er von den zusätzlichen Zahlungen.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: visualpower – #01: JK21  – #02: Yunus Malik

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Über 

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.